Nähen lernen: 5 Mythen, die dich zurückhalten
Nähen lernen ist nur was für Kreative? Zu unbegabt zum Nähen?
„Spoiler”: Nähtalente werden nicht geboren, sie entstehen durch TUN! Nimm die Schere in die Hand und leg los!
Hätte ich vor 16. Jahren nach den ersten krummen Nähten an einem kleinen Kuschelkissen aufgegeben, hätte es das Label Schoenigkeiten wahrscheinlich nie gegeben. Aber ich habe weiter probiert und zum wackeligen Kissen ein schiefes Füllkissen genäht und war einfach nur glücklich über das Ergebnis. Dieses Kissen war sicherlich kein Meisterwerk, aber es war mit Liebe selbstgemacht.
Nähen lernen kann jeder, da bin ich mir sicher. Heute räumen wir auf mit den 5 Mythen und Vorurteilen, die dich trotzdem noch davor zurückhalten.
Mythos 1: „Ich hab zwei linke Hände“
… mit jeweils fünf Daumen. So oder so ähnlich hört man die Ausrede oft.
Warum aber gerade das Nähen lernen ein wichtiger Part ist, dagegen anzukämpfen, erkläre ich dir hier.
Nähen ist ganz sicher kein „angeborenes Talent”, sondern mit ein bisschen Wille, kommst du schnell von diesem ersten Mythos der zwei linken Hände weg.
Übung macht den Meister
Das Nähen eignet sich ganz besonders, um Feinmotorik zu trainieren. Egal ob per Hand, Stich für Stich genäht oder mit der Maschine beim Einfädeln des Fadens in das kleine Nadelöhr oder beim Vernähen der Fadenenden. Je häufiger du diese Aufgaben machst, desto leichter werden sie dir fallen. Du wirst sehen, in Kürze stellt z.B. das Einfädeln überhaupt kein Problem mehr dar.
Es gibt viele kleine Kniffe, die das Leben auch hier einfacher machen.
Nach einiger Zeit wirst du merken, die zwei linken Hände sind verschwunden und du kannst deine echte linke Hand sogar wunderbar einsetzen. Sie wird dir ebenfalls eine Hilfe sein.
Auf Übungsstoffen starten
Nichts ist demotivierender als einen teuren wunderschönen Stoff richtig vermurkst zu haben. Deshalb nimmst du dir am besten für die ersten Versuche einen günstigen oder alten Stoff, bei dem du kein Problem damit hast, diesen in die Tonne zu werfen. Das nimmt dir sämtliche Hemmungen und du kannst ohne Angst damit üben.
Und by the way – oft entstehen aus diesen Stoffen die schönsten Dinge – einfach nur, weil dein Kopf frei ist.
Mythos 2: „Nähen ist nur was für Geduldige!“
Suche dir Projekte, die dir Spaß machen. Habe ein klares Ziel vor Augen, dann fällt es leichter, dranzubleiben. Damit das gut gelingt, probiere es mit diesen Tipps:
Starte mit kleinen Projekten
Es muss nicht direkt eine große Patchworkdecke sein. Starte klein und habe lieber viele kleine Erfolgserlebnisse.
Es gibt auch viele kleine Projekte, die unglaublich Spaß machen und sofort ein Erfolgserlebnis liefern. Danach steigerst du dich langsam zu den etwas komplizierteren Näharbeiten. Schritt für Schritt, ohne zu schnell zu viel zu wollen.
Du merkst nach kurzer Zeit selbst am besten, was du dir zutrauen kannst.
Nutze Anleitungen
Im Netz gibt es ohne Ende Nähanleitungen – kostenfrei oder auch in Bezahlversion. Mein Tipp nutze diese und lerne kontinuierlich dazu. Du wirst in vielen Anleitungen Tipps finden, die du noch nicht kanntest.
Jede einzelne Anleitung trägt die Handschrift von einer guten Näherin und sie wird dir immer bessere Fähigkeiten vermitteln, wenn du die Augen offen hältst. Mit der Zeit lernst du so auch verschiedene Wege kennen, um ans Ziel zu kommen. Denn – Überraschung – es gibt nicht nur einen perfekten Weg, sondern ganz viele verschiedene.
Tipp: Nutze das Wissen und finde die für dich passenden Methoden und perfektioniere sie so, dass du jederzeit gut damit arbeiten kannst.
Mythos 3: „Ich brauche eine teure Profi-Maschine“
Was wirklich zählt, bevor du Geld ausgibst – probiere aus! Es gibt sie selten, die eierlegende Wollmilchsau. Deshalb solltest du ganz genau wissen, was du brauchst und was dir wichtig ist.
Anfangs reicht eine Nähnadel
Wenn du ganz neu startest, versuche erstmal mit der Hand zu nähen. Dazu reicht eine Nadel und ein Faden – so einfach.
Aber ja, ich gebe zu, mit der Nähmaschine zu nähen macht mehr Spaß. Um unnötige Kosten zu sparen, frage in deinem Bekanntenkreis doch mal nach, ob du dir eine Nähmaschine ausleihen darfst. Es geht hier in erster Linie darum herauszufinden, was du am liebsten nähen möchtest und was deine zukünftige Nähmaschine für Eigenschaften aufweisen sollte.
Das sollte deine erste Nähmaschine können
Bist du dir dann sicher, was du zukünftig gerne hauptsächlich nähen möchtest, geht es an die Auswahl der ersten eigenen Nähmaschine. Stehst du noch ganz am Anfang und möchtest das Nähen lernen, suche dir möglichst eine Nähmaschine ohne viel Schnickschnack aus.
Die vielen verschiedenen Stiche und vielleicht sogar Bilder im Stichbild (süße Enten, Hasen, Herzen usw.) mögen verlockend sein, aber lass dir gesagt sein: Du wirst sie alle testen und nähst danach 95% deiner Projekte mit den immer wieder gleichen 5 Stichen! Deshalb ignoriere ich schöne Stiche.
Viel wichtiger ist ausreichend Kraft oder vielleicht sogar eine manuelle Nähmaschine, wenn du gerne Taschen nähen möchtest.
Oder ein guter Untertransport (evtl. versenkbar), wenn du viel Kleidung nähen möchtest. Hier sind auch 1 bis 2 elastische Stiche von Vorteil, damit auch Jersey gut gemeistert werden kann.
Mache dir deshalb vorab eine Liste und lies wirklich die Maschinen-Steckbriefe und danach ab zum Händler und testen. Du erkennst direkt, ob es zwischen euch harmoniert oder nicht.
Mythos 4: „Alles muss perfekt sein.“
Du wirst schnell merken, kleine Unregelmäßigkeiten haben mehr Charme als Perfektionismus. Es ist ein Trugschluss, dass jedes fertige Stück makellos sein muss.
Perfekt unperfekt
Gerade die klitzekleinen Fehler machen den Unterschied. Eine Naht etwa schief? Die falsche Unterfadenfarbe gewählt? Ein Knopf 3 mm zu hoch angesetzt?
Das sind klitzekleine Makel, die nur du sehen wirst, niemandem außer dir, wird es auffallen.
Und trotzdem macht genau das den Unterschied – Handmade muss nicht perfekt sein. Es ist mit Liebe gemacht und das ist genau das Gefühl, das wir vermitteln wollen, oder?
Heißt jetzt nicht, dass wir mit Absicht alles schief und krumm machen sollen, sondern dass es nicht schlimm und nur menschlich ist.
Lernfortschritt erkennen
Außerdem kannst du selber an der Reihenfolge deiner Werke deinen Lernfortschritt ablesen. Du kennst jede Naht, du weißt, wo du wieder aufgetrennt und neu genäht hast.
- Von Projekt zu Projekt merkst du, wie die Nähte gerader und das Stichbild ordentlicher wird.
- Bald werden die Nähte nicht nur genäht, sondern auch versäubert werden.
- Der Jersey ist nicht mehr gewellt wie anfangs, sondern bleibt gerade nach dem Nähen.
- Knöpfe werden nicht mehr nur als Verschluss, sondern als Deko angebracht.
- Es kommen weitere Verzierungen dazu, die an den ersten Nähwerken undenkbar gewesen wären.
Die Liste kann in alle Richtungen fortgesetzt werden. Deine Perfektions-Gedanken kannst du dabei getrost ablegen. Wachse mit deinen gemachten Fehlern.
Tipp: Gute Nähfehler sind die, die man nur einmal macht.
Mythos 5: „Ich hab keine Zeit.“
Das Thema Zeit ist beim Nähen lernen immer eine große Ausrede, aber es geht auch anders. Wie du es am besten angehst, zeige ich dir hier:
Nur 10 Minuten Zeit
10-Minuten-Projekte sind die absoluten Gamechanger beim Nähen lernen. Schnelle Erfolgserlebnisse ermuntern, am besten direkt weiterzumachen. Es ist kein Geheimnis, dass wir das Lernergebnis direkt ablesen möchten. Wie geht es besser, als mit einem fertigen Stück in der Hand?
Hier ein paar Inspirationen für schnelle Projekte:
- Lesezeichen
- Stoffbeutel
- Kuschelkissen
- Stirnband
- Haargummi
- Schlüsselanhänger
- Mütze
- Duftbeutel
- Tischsets
- Armstulpen
Du siehst, keine Ausreden mehr. Auch in weniger Zeit kannst du viel erreichen. Für die meisten dieser Projekte reicht sogar ein kleiner Stoffrest.
Große Projekte aufteilen
Große Projekte sind toll, aber oft auch beängstigend – vor allem, wenn du das Nähen erst lernst.
Deshalb teile es dir doch am besten direkt am Anfang in kleine Häppchen auf. Immer nur ein bis zwei Schritte, je nach übriger Zeit und schon hast du wieder kurze Nähhäppchen, in denen du am Ende mit einem großen Ergebnis belohnt wirst.
Tipp: Was mir auch immer weiterhilft, ist, alle Schritte vor Beginn zu durchdenken. Wenn du eine Anleitung hast, einmal komplett durchlesen und verstehen, was getan werden muss. Dann werden solche Großprojekte auch direkt weniger angsteinflößend.
Dein nächstes Projekt wartet – und es braucht keine Superkräfte
Einen kleinen Tipp habe ich zum Schluss noch für dich. Trage dich hier direkt in meinen Newsletter ein und erhalte ab sofort regelmäßig kleine Kreativ-Tipps und auch kostenlose Nähanleitungen direkt ins Postfach.
Im Club der schönen Dinge geht es ausschließlich um Illustrationen, Kreativität und unsere Lieblingshobbys, versprochen.